Triebwerk Praktikum Schüler mit Berufsbildner

Mit Tagespraktika geeignete Lernende finden

Jugendliche benötigen unverbindliche Einblicke in Lehrbetriebe. Doch zu viele Lehrbetriebe öffnen ihre Türen nur für Schnupperlehren und fordern von den Jugendlichen ein Bewerbungsdossier. Diese anfänglichen Hürden kann man mit Tagespraktika abbauen. Firmen, die das anbieten, bestätigen: Die Chance, geeignete Lernende zu finden, erhöhe sich dadurch wesentlich.

Mehr als 20% weniger SchulabgängerInnen gibt es im Vergleich zu 2008, aber nahezu gleich viele Jugendliche gehen in weiterführende Schulen. Was ist mit den Berufslehren? Haben sie an Attraktivität verloren? Oder gibt es andere Gründe, warum deren Zahlen sinken?

Mit Beginn der 2. Oberstufe starten die Schulen mit den Vorbereitungen für den Übergang in eine Berufslehre oder in eine weiterführende Schule. Dabei sind Lehrpersonen, Eltern und Jugendliche gefordert. Heisst es doch, in möglichst kurzer Zeit herauszufinden, was man in zwei Jahren tun will. Bei 250 Lehrberufen und zig Möglichkeiten von weiterführenden Schulen ist das eine Herkulesaufgabe für alle Beteiligten.

Lehrbetriebe müssen Hindernisse bei der Berufswahl abbauen
Studien von Prof. Margrit Stamm, Direktorin des Forschungsinstituts Swiss Education in Bern, haben gezeigt, dass die Beliebtheit einer weiterführenden Schule zwei Gründe hat: Einerseits ist es für gewisse Eltern eine Imagefrage, andererseits – und das ist viel stärker der Fall – sind die Hürden bei der Berufswahl viel zu hoch. Damit ein Jugendlicher einen Einblick in einen Lehrbetrieb erhält, muss er zuerst ein Bewerbungsdossier abgeben. Das ist ein grosser Aufwand und somit ein Hindernis, geeignete Lernende zu finden. Einige Lehrbetriebe haben dies bereits erkannt und neue Massnahmen eingeleitet. So zum Beispiel die Starrag AG: Sie bietet den Jugendlichen im ersten Semester der 2. Oberstufe die Möglichkeit eines Tagespraktikums. Dabei können Jugendliche Berufsbildner oder Lernende während eines halben bis ganzen Tages begleiten und erhalten so einen authentischen Eindruck vom Lehrberuf. Gefällt es dem Schüler, kann er sich offiziell für eine Schnupperlehre bewerben. Gemäss Marcel Capeder, Berufsbildner, ist das ein Erfolgsmodell: «Die Tagespraktiken ermöglichen den Jugendlichen einen guten ersten Einblick in einen Beruf. Danach wird entschieden ob dieser Berufswunsch weiterverfolgt werden soll oder nicht. So absolvieren danach nur die wirklich interessierten Jugendlichen eine Schnupperlehre. Die aufwendigen Schnuppertage lohnen sich dadurch für beide Seiten mehr.»

Ein vergleichbares Angebot bietet die Migros Ostschweiz in ihren Filialen an.

Chance verbessern, um Lernende zu finden
Leider nutzen diese Chance noch zu wenige gewerbliche Lehrbetriebe. Fragt man nach den Gründen, erhält man die Antwort, es koste zu viel Zeit. Man wolle nur interessierte Jugendliche. Wie soll aber ein Jugendlicher wissen, was ein Logistiker, Elektroinstallateur, Recyclist oder Drogist macht? Die einfachste und gewinnbringendste Methode ist, praktische Einblicke zu gewähren. Dazu kommt, dass es vielen Lernenden Spass bereitet, den Schülern und Schülerinnen von ihrem Alltag zu berichten. Tagespraktika lohnen sich für Lehrbetriebe, weil sie Hürden abbauen und das Interesse bei den Jugendlichen wecken.

 

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