Lernende rekrutieren, Risiken bei zu früh abgeschlossenen Lerhverträgen

Risiken bei früh unterzeichneten Lehrverträgen

Wenn Lehrverträge bereits im achten Schuljahr vergeben werden, sind alle beruhigt. Lehrbetriebe können im Rekrutierungsprozess unter den Besten auswählen, Eltern und Jugendliche atmen auf. Die Lehrstellensuche hat ein Ende. Gilt deshalb: Je früher, desto besser?

Immer früher werden neue Lernende rekrutiert

Viele Betriebe haben sich bereits vom 1. November als Datum für die offizielle Lehrstellenvergabe verabschiedet. Deswegen geht heute der Kampf um die besten neuen Lernenden immer früher los. Bereits in der achten Klasse versuchen die Lehrbetriebe die besten Lernenden zu rekrutieren. Doch das kann nur allzu schnell ins Auge gehen – für beide Seiten. Erfahrungen zeigen, dass sehr früh abgeschlossene Lehrverhältnisse häufiger abgebrochen oder gar nicht erst angetreten werden. Doch wieso ist das überhaupt so?

 

Zu früh abgeschlossene Lehrverhältnisse stehen auf schwachem Fundament

In den Jahren der Pubertät entwickeln Jugendliche nicht nur ihre kognitiven Fähigkeiten nochmals deutlich, sondern verändern sich auch körperlich stark. Nicht selten findet gerade im neunten Schuljahr ein weiterer Entwicklungsschub bei den Jugendlichen statt, sodass sie im Anschluss psychisch stabiler sind und dadurch auch sicherer auftreten. Viele, die noch vor einem Jahr wie ein zu gross gewachsenes Kind wirkten, haben nun nicht nur ein ganz neues Selbstvertrauen entwickelt, sondern wissen auch viel besser einzuschätzen, welchen Beruf sie erlernen wollen und wie genau ihr erster Schritt in die Arbeitswelt aussehen soll. Passt da der Lehrvertrag noch, der in der zweiten Oberstufe bereits mit vierzehn abgeschlossen wurde? Oftmals müssen die Jugendlichen diese Frage mit einem Kopfschütteln beantworten. Ihre Interessen und Wünsche haben sich schlicht verändert. Die Ausbildung passt ganz einfach nicht mehr zu ihnen und ihrer Vorstellung. Das ist weder für die/den Jugendliche/n noch für den Lehrbetrieb, der ihn oder sie als neue/n Lernende/n rekrutiert hat, angenehm.

 

Versteckte Gefahren früher Lehrvertragsunterzeichnungen 

Stellen Sie sich vor: Sie unterschreiben heute einen Arbeitsvertrag für eine Stelle, die Sie erst in vierzehn Monaten antreten werden. Da könnte es leicht passieren, dass das Jobangebot überhaupt nicht mehr passt. So erstaunt es nicht, wenn ein zu früh unterzeichneter Lehrvertrag schon vor Lehrbeginn oder während der Grundbildung aufgelöst wird. Selbst wenn die jungen Berufsleute eine Grundbildung beenden, obwohl diese nicht zu ihnen passt, gehen sie der Branche spätestens nach ein paar Jahren mit einem Berufswechsel verloren. Schade um den Aufwand. Besonders schade für den Lehrbetrieb, der in die jungen Lernenden investiert hat. Doch wie soll das gehen, wenn die Konkurrenz immer früher die besten neuen Lernenden abwirbt?

 

Geduld statt Hauruck-Lösungen

Das Ziel ist klar: Beruf, Ausbildungsbetrieb und Lernende sollen möglichst gut zusammenpassen. Gerade bei Jugendlichen bringt Geduld oft die besseren Resultate als Hauruck-Lösungen. Deswegen sollten Lehrbetriebe, die Lernende rekrutieren, von der immer früheren Lehrvertragsunterzeichnung absehen und stattdessen Angebote schaffen, die es den Jugendlichen ermöglichen, den Beruf und den Betrieb ausgiebig kennenzulernen. Wertvoll für beide Seiten sind Info-Nachmittage, Tagespraktika und Schnupperlehren für Jugendliche der achten Klasse.

 

Autorin dieses Beitrages: Barbara Erni, dipl. Berufs- und Laufbahnberaterin, Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung St.Gallen

  • Geeignete Jugendliche für Ihre Lehrstelle finden Sie auch im neunten Schuljahr.
  • Jugendliche mit unsicherer Berufswahl erhalten auf den kantonalen Berufsberatungsstellen Unterstützung.
  • Mit Mut für die Vertragsvergabe im neunten Schuljahr vermeiden Sie Lehrabbrüche.
  • Ihre Geduld zahlt sich aus.

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