Nachwuchsförderung: Seraina Girschweiler bei den SwissSkills 2020

Nachwuchsförderung: Mit Mindset und Unterstützung zur Meisterschaft

Kaum einer Veranstaltung fiebern Berufsbildner/innen und eingeschriebene junge Berufsleute so sehr entgegen, wie der SwissSkills Championship. Die zentralen Schweizer Meisterschaften der Lehrberufe haben sich zu einem wichtigen Event entwickelt. Die „SwissSkills“ geben jungen Berufstalenten die Gelegenheit vor einem Publikum gegeneinander anzutreten und sich so einen Platz unter den Besten pro Beruf zu erkämpfen.

 

Die SwissSkills in 2020

Bedingt durch die Corona-Pandemie mussten die als Grossevent geplanten zentralen SwissSkills 2020 in Bern um weitere zwei Jahre verschoben werden, Dennoch erhalten mehrere hundert junge Lernende die Gelegenheit, ihr Können unter Beweis zu stellen. In 60 verschiedenen Berufen können sich in den dezentral ausgeführten „SwissSkills Championships 2020“ die ambitionierten jungen Erwachsenen einen Platz auf dem Treppchen – und damit unter den Besten ihres Berufes – sichern.

Rund die Hälfte der Meisterschaften muss zeitverzögert im Oktober und November durchgeführt werden aber eine Reihe Jugendlicher hat bereits letzte Woche (vom 9. – 13. September) erfolgreich an den Wettbewerben teilgenommen. So auch Seraina Girschweiler, die im August 2020 ihre Ausbildung als Fachfrau Hauswirtschaft EFZ abgeschlossen hat. Während ihrer Ausbildungszeit war ihrer Ausbilderin schnell klar, dass sie ein Best Talent sein könnte und entsprechend gefördert werden sollte. Dementsprechend trat sie letzte Woche voller Tatendrang zum Wettkampf an.

 

An die Spitze mit der richtigen Nachwuchsförderung

Daniela Rieder, Bereichsleiterin Hotellerie-Hauswirtschaft hat Seraina Girschweiler für die Teilnahme an den SwissSkills 3 Monate lang gecoacht. Auf die Frage, was ein Kandidat/ eine Kandidatin mitbringen muss, damit sich der Aufwand lohnt, nannte Rieder allen voran die Freude und Begeisterung für den jeweiligen Beruf. Doch auch Stolz und Überzeugung sich und den eigenen Beruf repräsentieren zu können, wären wichtig für den Erfolg des Kandidaten/ der Kandidatin. Zudem müsse den teilnehmenden Talenten von Anfang an bewusst gemacht werden, dass eine Teilnahme an den SwissSkills zeitintensives Training mit sich bringe und mental stark belastend sein könne. Und Daniela Rieder weiss, wovon sie spricht. Seraina Girschweiler war bereits die zweite Fachfrau Hauswirtschaft EFZ die sie für die SwissSkills fit gemacht hat.

Genau so wichtig, wie die notwendigen Fähigkeiten der Jugendlichen ist laut Rieder die richtige Zusammenstellung des Trainingsprogramms. Nur wer Nachwuchsförderung und Unterstützung individuell versteht und die Trainingsprogramme an die bereits vorhandenen Fähigkeiten der Kandidaten/ Kandidatinnen anpasst, führt sie zum Erfolg in der Meisterschaft.

Man müsse die Jugendlichen genau beobachten und das Trainingsprogramm unter anderem auch an Faktoren wie ihr Selbstvertrauen, ihre mentale Stärke und ihren Auftritt anpassen. Das kann auch heissen, dass entsprechende Fachpersonen zur Unterstützung herangezogen werden.

 

Die Vorbereitung auf die Meisterschaft

Wer sich als Wettkampf-Laie nicht vorstellen kann, wie die Vorbereitung auf die SwissSkills aussehen kann, der wird mit Sicherheit den Hut vor dem strikten Trainingsprogramm ziehen. Im Falle von Daniela Rieder und Seraina Girschweiler war die Situation sogar noch zusätzlich erschwert – und das nicht nur durch die Corona-Pandemie.

„Da Frau Girschweiler und ich uns vorgängig nicht kannten, mussten wir ein ganz anderes Vorgehen wählen. Da sie noch im Ausbildungsbetrieb angestellt war, haben wir uns zunächst via Telefon kennengelernt und uns anschliessend über die Teilnahme an den SwissSkills unterhalten.“ Erst Ende Juli konnte Seraina Girschweiler das regelmässige Training (2 – 3 Mal pro Woche) aufnehmen und die verschiedenen Aufgaben üben.

„Um das Fachwissen zu vertiefen und zu erweitern ist es wichtig auch den Kontakt zu anderen Betrieben wie beispielsweise einem Hotel, einer Floristin, einer Innendekorateurin usw. zu haben“, so Rieder. Regelmässig hätten sie auch an der Selbstreflektion der eigenen Wirkung und des eigenen Auftretens gefeilt, denn dies sei ein wichtiger Bestandteil der Nachwuchsförderung. „Die mentale Vorbereitung spielt eine wichtige Rolle“.

„Es gab für Frau Girschweiler während der Vorbereitungszeit sehr viele positive Erfahrung aber auch Rückschläge. Für diese wurden jedoch wieder Lösungen gesucht, die schlussendlich zu einem Erfolgserlebnis geführt haben. Auch dies ist eine sehr gute Erfahrung, welche mit dem zukünftigen Arbeitsmarkt verglichen werden kann. Für die jungen Berufstalente ist die ganze Vorbereitungszeit bis hin zu der Meisterschaft eine einmalige und sehr wertvolle Lebenserfahrung. Auch im Lebenslauf zeigt sich eine solche Teilnahme äusserst positiv, zudem kann dies einer Teilnehmerin das eine oder andere Karrieretürchen öffnen.“

 

Wer profitiert von dieser Art der Nachwuchsförderung?

Schlicht und einfach gesagt: alle. Die SwissSkills hat es sich auf die Fahne geschrieben, die Exzellenz der Berufsausübung zu fördern, das vielfältige Erleben der Berufe möglich zu machen und das Image der Berufslehre in der Schweiz zu fördern.

Nicht nur für den Nachwuchs ist deswegen eine Teilnahme oder sogar ein Sieg eines Berufstalents an der Meisterschaft vorteilhaft. Auch für den jeweiligen Betrieb ist eine solche Teilnahme eine fast unbezahlbare Werbeplattform. Junge Talente wie Seraina Girschweiler zu fördern und zu unterstützen tut aber noch mehr für den Ausbildungsbetrieb. Oftmals ergibt sich ein Wiederholungseffekt, wenn der Teilnehmer/ die Teilnehmerin in den Ausbildungsbetrieb zurückkehrt und neue Lernende für die Teilnahme an den SwissSkills begeistert.

„Auch wir als Betrieb und insbesondere ich als Coach konnten wieder einige neue Erfahrungen sammeln. Ich kann daher nur empfehlen, das andere Betriebe ihre Lernenden oder Fachpersonen ebenfalls für eine Teilnahme an den SwissSkills ermutigen und ihnen diese einmalige Chance ermöglichen“, so Rieder. Nachwuchsförderung, die also wirklich alle weiterbringt.

 

Seraina Girschweiler: eine aussergewöhnliche Teilnehmerin

Bereits im Mai 2019 – ihrem 2. Ausbildungsjahr- motivierte die damalige Ausbilderin Seraina dazu, über eine Teilnahme an den SwissSkills teilzunehmen. „Sie meinte, ich habe Potential und es sei eine grosse Chance für die berufliche Laufbahn an den Swiss Skills teilzunehmen“, so Seraina.

Nach Einreichung des Bewerbungsdossiers inkl. der Empfehlungsschreiben der Berufsschule und des Betriebes, bekam die junge Kandidatin einen Termin zum Selektionsgespräch. „Mein Tipp zum Gespräch ist es, möglichst offen, locker und authentisch zu sein“. Bereits 2 Tage später erhielt sie eine positive Rückmeldung, sowie die Einladung zur Teilnahme.

Doch dann kamen der jungen Kandidatinnen einige Hindernisse in den Weg. Ihre betreuende Berufsbildnerin kündigte und fast zeitgleich startete der Lockdown aufgrund der Corona-Pandemie. „Das alles hat mich sehr verunsichert“. Doch damit nicht genug. „Später wurde mir leider vom Ausbildungsbetrieb noch mitgeteilt, dass ich nach der Ausbildung nicht länger im Betrieb arbeiten könne. Das hiess für mich:  kein Betrieb, kein Coach. Bei diesem zusätzlichen «Dämpfer» wurde ich durch meine Eltern sehr gut unterstützt und motiviert positiv du denken. Mich für die Teilnahmen abzumelden, war jedoch nie ein Thema!“, so Seraina.

„Herausfordernd war nach dem Qualifikationsverfahren (bisher LAP) einen Arbeitgeber zu finden, der mich als Fachfrau Hauswirtschaft einstellt und für die Meisterschaften coacht. Viele zeigten Interesse, hatten jedoch keine freie Stelle im Betrieb. Schlussendlich habe ich doch noch einen Betrieb gefunden, welcher bereits einmal eine Mitarbeiterin in der Hauswirtschaft hatte, die an den SwissSkills teilnahm. Dies war jedoch ein reiner Zufall. Bis zu den SwissSkills arbeitete ich 50%, nun aber wieder 100 % in diesem Betrieb.“

Trotz all dieser Widrigkeiten erreicht Seriana einen herausragenden 4. Platz in den Meisterschaften – auch dank der gelungenen Unterstützung ihres Coaches. „An den SwissSkills selbst war es für mich eine emotionale Achterbahnfahrt. Besonders schwer war es für mich, wenn ich als Coach nicht eingreifen durfte.“ So Daniela Rieder. Trotzdem sei sie ausserordentlich stolz auf das Ergebnis.

Auch die junge Kandidatin selbst hat viel Positives von der Meisterschaft mitgenommen: „Die Teilnahme hat mir sehr viel gebracht. Durch diese Erfahrung habe ich einige neue, wertvolle Kontakte gewonnen. Ich habe mich mit Sachen auseinandergesetzt, die ich sonst nie gemacht hätte. Nicht nur fachliches Wissen konnte ich mir aneignen, sondern mich auch persönlich weiter entwickeln. Der Weg war nicht einfach aber aufgeben war für mich nie eine Option. Ich kann die SwissSkills jedem nur sehr empfehlen“ so Seraina.

Autorin: Sonja Schläpfer, Hauswirtschaftliche Betriebsleiterin, Berufsbildnerin für Hotelerie-Berufe, selbständig im Bereich Hotellerie (Unterstützung bei Reorganisationen oder Temporäreinsätze). Coaching, Mentoring und Support von Einzelpersonen und Unternehmen. Chefexpertin, Expertin bei der Berufsprüfung und SwissSkills.

In knapp 40 Berufen dienen die SwissSkills als Championships als Qualifikation für die WorldSkills. Die SwissSkills 2020 mussten aufgrund der Pandemie auf 2022 verschoben werden. Die besten jungen Berufstalente in 60 Berufen können sich trotzdem an den Schweizer Meisterschaft den «SwissSkills Championships 2020» dezentral messen. Die Meisterschaften finden in diesem Jahr zwischen September und November statt. Weitere Infos (verlinken mit www.swiss-skills.ch)

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