nachwuchsförderung, ausbildung von flüchtlingen

Nachwuchsförderung: Flüchtlinge ausbilden, um Fachkräfte von morgen zu erhalten

Schon lange ist Migration ein wichtiges Thema in der Schweiz. Eine von acht Personen mit einem Schweizer Pass wurde im Ausland geboren und hat somit nach Definition einen Migrationshintergrund. Viele Flüchtlinge in erster Generation sind im Alter von 18 bis 22 Jahren und damit potentielle Adressaten der Aus- und Weiterbildung durch Betriebe. Eine gelungene Nachwuchsförderung ist für die jungen Menschen unbedingt notwendig, damit sie möglichst schnell optimal in die Gesellschaft integriert werden und ihr eigenes Potential voll ausschöpfen können. Doch auch die Lehrbetriebe profitieren von der Förderung und Ausbildung der Flüchtlinge, stellen sie doch eine wichtige personelle Ressource dar, um langfristig genügend Fachkräfte zu erhalten. Insbesondere in Lehrberufen, die sich in der Schweiz geringer Beliebtheit erfreuen.

 

Nachwuchsförderung bedeutet Aus- und Weiterbildung

Trotz der grossen Anzahl anerkannter Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommener ist die Erwerbsquote dieser Gruppe – auch nach längerer Aufenthaltsdauer – durchschnittlich weit unter der, der ansässigen Bevölkerung. Besonders auffällig 55% der Sozialhilfebeziehenden sind junge Erwachsene im Alter zwischen 18 und 25 Jahren (Stand 2020, SH-FlüStat). Der Bund und die Kantone unterstützen deswegen mit diversen Massnahmen die Förderung der jungen Menschen, um so die Arbeitsmarktfähigkeit zu verbessern und das ungenutzte Arbeitspotential besser auszunutzen. Damit sie erfolgreich in die Schweizer Berufswelt einsteigen können, müssen die meisten Flüchtlinge zunächst eine der Landessprachen erlernen. Sobald sie ein sicheres Sprachniveau erreicht haben, ist es wichtig eine geeignete Aus- bzw. Weiterbildungsmöglichkeit zu finden.

 

Die jungen Menschen sind oft sehr motiviert, eine Arbeit anzutreten und bringen in vielen Fällen auch bereits berufliche Erfahrung aus ihren Heimatländern mit. Oft fehlen ihnen aber noch gewisse Kompetenzen, die in der Schweiz notwendig sind, um eine Lehre zu beginnen oder direkt auf dem Arbeitsmarkt Erfolg zu haben. Deswegen ist es besonders wichtig, dass Lehrbetriebe und Unternehmen den jungen Menschen eine Möglichkeit geben, die Schweizer Arbeitskultur kennenzulernen und sie dabei unterstützen, sich die grundlegenden Kompetenzen der jeweiligen Branche anzueignen.

 

Entscheidend ist, dass sowohl Flüchtlinge, als auch vorläufig Aufgenommene von den Schweizer Unternehmen als Ressourcenpool wahrgenommen werden. Nur dann wird ihnen direkt von Anfang an eine Chance auf eine berufliche Aus- und Weiterbildung geboten und sie integrieren sich erfolgreich und schnell in die Gesellschaft.

 

Even Ermias: Eine Erfolgsgeschichte

Eine wunderbare Erfolgsgeschichte für die gelungene Integration durch Aus- und Weiterbildung hat die Infra Suisse im neusten Magazin vorgestellt. Even Ermias floh als kleiner Junge von gerade einmal 10 Jahren gemeinsam mit seiner Schwester aus seinem Heimatland Eritrea in die Schweiz.

Aber nicht einfach gemeinsam mit Verwandten im Auto oder per Flieger. Die beiden Kinder wurden ganz alleine fremden Menschen übergeben, waren tagelang in Autos und auf einem Kamel unterwegs und strandeten schliesslich in einem Flüchtlingslager im Sudan. Dort lebten sie für ganze 10 Monate, bis sie in die Schweiz einreißen konnten, wo sie nach jahrelanger Trennung mit ihrer Mutter vereint waren. Ermias lernte bereits im Flüchtlingslager Deutsch und verbesserte es nach seiner Ankunft in der Schweiz rasch. Heute ist der junge Mann ausgebildeter Strassenbaupraktiker EBA und hängt jetzt sogar die EFZ-Ausbildung heran. Ein Paradebeispiel gelungener Integration,

Der Verein Triebwerk führ seit drei Jahren auch einen Workshop «Lernende berichten aus ihrem Berufsalltag» für die Flüchtlinge in der Integrationsklasse im Berufsbildungszentrum Arbon durch. Im Januar 2018 stellte unter anderem der Lernende der Kanalprofis seinen Beruf «Entwässerungspraktiker EBA» vor. In der Folge bewarb sich ein Flüchtling bei den Kanalprofis und absolviert nun die Grundausbildung.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.