Behinderungsbedingte Nachteile ausgleichen durch Nachwuchsförderung

Nachwuchsförderung durch Nachteilsausgleich für Lernende mit Behinderung

Damit auch Lernende mit einer Behinderung erfolgreich eine Berufslehre absolvieren können, bestehen in der Schweiz klare gesetzliche Regelungen, um die behinderungsbedingten Nachteile auszugleichen. Für Berufsbildnerinnen und Berufsbildner ist es wichtig, diese zu kennen und zu wissen, welche Hilfestellungen vom Bund gewährt werden können.

Gezielte Nachwuchsförderung für Jugendliche mit Beeinträchtigungen

Nicht alle Lernenden verfügen über optimale Voraussetzungen, wenn es darum geht, eine Ausbildung zu absolvieren und am Schluss ein Qualifikationsverfahren erfolgreich zu bestehen. Deswegen gibt es gezielte Nachwuchsförderungsmaßnahmen für Jugendliche, die unter Beeinträchtigungen leiden. Denn: Sowohl körperliche Behinderungen, als auch Lern- und Leistungsschwierigkeiten, wie zum Beispiel Legasthenie (Lese- und Rechtschreibschwäche) oder Dyskalkulie (Rechenschwäche), können die Ausbildung für die Jugendlichen erschweren und die Aussichten auf das erfolgreiche Bestehen der Abschlussprüfung schmälern.

Der Bund lässt Lernende mit Einschränkungen in ihrer Leistungsfähigkeit nicht alleine, denn es soll vermieden werden, dass Jugendliche mit Behinderungen in intellektuell weniger anspruchsvolle Ausbildungen gedrängt werden und ihr Potenzial nicht ausschöpfen können. Die Berufsbildungsverordnung (Art. 35.3) regelt:
«Benötigt eine Kandidatin oder ein Kandidat auf Grund einer Behinderung besondere Hilfsmittel oder mehr Zeit, so wird dies angemessen gewährt».

 

Ausgleich behinderungsbedingter Nachteile

Damit sollen behinderungsbedingte Nachteile für Lernende in der Ausbildung und auch in den Prüfungssituationen ausgeglichen werden können. Man spricht dabei von «Nachteilsausgleich für Menschen mit Behinderung». Dabei bedeutet Nachwuchsförderung in keinem Fall, dass den Lernenden die Ausbildung und schliesslich die Prüfung erleichtert wird. Das ist ausdrücklich nicht gewährt. Sie müssen dieselben Anforderungen, wie ihre nicht-behinderten Mitlernenden, erfüllen. Benachteiligte Lernende erhalten aber die Möglichkeit, die behinderungsbedingten Nachteile zu kompensieren.
Wie genau, das ist individuell geregelt. Eine Kompensation der behinderungsbedingten Nachteile kann z.B. durch die Verwendung von zusätzlichen Hilfsmitteln, wie beispielsweise optischen Vergrösserungshilfen für Sehbehinderte oder zusätzlicher Zeit für das Erfüllen von Aufgabenstellungen, erfolgen. Die Beantragung des Nachteilsausgleichs bei Prüfungsleistungen sollte frühzeitig geschehen, damit darüber rechtzeitig entschieden werden kann. So können die notwendigen, individuellen Erleichterungen optimal geplant.

 

Chancengleichheit für alle

Für Lernende mit Behinderungen und ihre ganz individuellen Einschränkungen gibt es in der Nachwuchsförderung kaum Standardlösungen für die Kompensation ihrer behinderungsbedingten Nachteile. In der Regel müssen individuelle Lösungen gesucht und spezifische Massnahmen ergriffen werden. Die Bewilligung von Nachteilsausgleichen ist immer eine Einzelfallentscheidung. Es genau geprüft, was für den jeweiligen Jugendlichen zum Ausgleich seiner individuellen Nachteile aufgrund der Behinderung benötigt wird. Deshalb ist es wichtig, dass Berufsbildnerinnen und Berufsbildner möglichst bereits weit vor Lehrbeginn mit der zuständigen Stelle beim kantonalen Berufsbildungsamt Kontakt aufnehmen. So können sie sicherstellen, dass ausreichend Zeit besteht um gemeinsam mit den anderen Lernorten (Berufsfachschule und überbetriebliche Kurse) sinnvolle Massnahmen zu treffen bzw. den Nachteilsausgleich zu gewähren.

Die Kantone informieren auf ihren Homepages über die Durchführung und Zuständigkeiten in Sachen Nachteilsausgleich. Die kantonalen Berufsbildungsämter sind für Berufsbildnerinnen und Berufsbildner Ansprech- und Informationsstelle für rechtliche Fragen und für Hinweise zu Unterstützungsangeboten.

1 thought on “Nachwuchsförderung durch Nachteilsausgleich für Lernende mit Behinderung”

  1. “Es wird genau geprüft, was für den jeweiligen Jugendlichen zum Ausgleich seiner individuellen Nachteile aufgrund der Behinderung benötigt wird.” Genau dies ist das Problem bei Autisten. ES kann nur geprüft werden, wenn verstanden wird, was Autismus ist. Das können vermehrte u.Umständen lange Pausen sein oder sehr klar strukturierte Abläufe. Auch wenn man sich dann fragt: wieso stellt diese Person sich denn so an, das muss doch klappen in dem Alter..genau solche Denkweise /Haltungen sollte es nicht geben. Gerne verweise ich auf http://www.autismus.ch

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