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Lernende im Homeoffice betreuen, Jugendliche vor dem Laptop

Lernende im Homeoffice

Niemand hätte es sich vor einem Jahr vorstellen können, doch inzwischen sitzt eine Vielzahl der Lernenden im Homeoffice. Je nach persönlicher Situation, dem eigenen Umfeld und den Vorgaben und Rahmenbedingungen des jeweiligen Lehrbetriebes, kann diese Situation für die Lernenden zu einer großen Chance oder Herausforderung werden. Damit letztere nicht in völliger Überforderung der jungen Menschen endet, sollten Sie als Berufsbildner*in aktiv Einfluss auf die Situation Ihrer Lernenden nehmen.

Lehre und Homeoffice: Die Voraussetzungen für den Erfolg

Eines vorweg: Alle Jugendlichen benötigen in diesen speziellen Zeiten ein persönliches Gegenüber – das ändert sich auch im Homeoffice nicht. Distance Learning lebt von der Möglichkeit des sozialen Austausches, der Anteilnahme an Erfolgen und Misserfolgen der Jugendlichen und der Wertschätzung und Anerkennung.

Oftmals gehen wir als Berufsbildende davon aus, dass alles in Ordnung ist, weil der kleine Einblick, den wir in das Verhalten der Jugendlichen bekommen alles normal erscheinen lässt. Im besten Fall entspricht dieser positive Eindruck, den wir erhalten der Realität. Im schlechtesten Falle ist es um die Jugendlichen jedoch ganz anders bestellt, als es zunächst scheint.

 

Lernende im Homeoffice optimal betreuen

Wenn Sie Ihre Lernenden im Homeoffice optimal begleiten möchten, dann benötigen Sie klare Strukturen, Verbindlichkeiten, Empathie und Fingerspitzengefühl.

Tipp: Vereinbaren Sie gemeinsam mit Ihren Lernenden Ziele und Teilziele. Lassen Sie die Lernenden Wege finden wie sie die Arbeit erledigen können, geben Sie jedoch Unterstützung, wenn Lernende dies nicht aus Eigeninitiative schaffen.

Arbeitsleistungen sind dabei verbindlich einzureichen. Ihre Lernenden müssen Sie umgehend informieren, wenn vereinbarte Arbeitsschritte erfüllt oder nicht erfüllt worden sind, damit Sie als Berufsbildner*in jederzeit einen guten Überblick über den Stand einer Aufgabe oder eines Projektes, sowie den Lernfortschritt der Jugendlichen haben.

Wichtig: Reflektieren Sie mit den Lernenden die Zielerreichung und die Wegfindung. Seien Sie klar und transparent in Ihren Erwartungen und fordern Sie die Lernenden auf die Erwartungen zu erfüllen.

 

Die richtigen Tools um Lernende im Homeoffice zu betreuen

Benötigen Lernende die Unterstützung der Berufs- oder Praxisbildner*in sollte dies stets über ein Video-/Messengertool unkompliziert und zeitnah möglich sein, denn Jugendliche verlieren das Interesse an der Sache nur allzu schnell, wenn sie in der Warteschlaufe landen.

Videotools sind für Besprechungen den Telefonen vorzuziehen, um sich punktuell einen Eindruck über die Lernenden bilden zu können und mehr Menschlichkeit zeigen zu können.

Tipp: Stellen Sie bei diesen Besprechungen nicht nur die Arbeit und die erbrachte Leistung in den Vordergrund, sondern vorallem auch das Wohlbefinden der Lernenden. Sprechen Sie mit ihnen über die Rahmenbedingungen im Homeoffice, über die schönen und tollen Seiten aber auch über die Herausforderungen. Seien Sie dabei offen und transparent. Sprechen Sie auch über die eigenen Herausforderungen, das hilft den Lernenden Vertrauen aufzubauen und sich Ihnen zu öffnen. So erhalten Sie einen besseren Einblick in die tatsächliche Situation des*der Lernenden Zeigen Sie Wertschätzung, wenn Lernende Einblick in ihr Denken und Fühlen geben. Sprechen Sie bei Irritation im Verhalten offen und mit einer Portion Fingerspitzengefühl darüber.

 

Homeoffice: Eine herausfordernde Situation für alle Beteiligten

Sprechen Sie mit Ihren Lernenden Veränderungen zum Positiven und Negativen unmittelbar an. Warten Sie nicht zu lange. „Do less sooner“ soll hier die Devise sein, denn gerade in den Zeiten des Homeoffice kann der soziale Druck im Umfeld oder eine psychisch belastende Situation die Leistung der Lernenden stark beeinflussen.

Lernende könne sich oftmals nicht alleine aus dieser Situation befreien und benötigen Ihre Unterstützung. Oft würden Lernende gerne ein Thema ansprechen, sind jedoch in einer „Gefahrensituation“ weil das Umfeld mithören kann. Auch wenn Sie als Berufsbildner*in versuchen, Veränderungen anzusprechen öffnen sich die Lernenden kaum. Dann braucht es eine Schippe mehr Menschlichkeit. Laden Sie die Lernenden zu einem Spaziergang ausserhalb des gewohnten Rahmens ein. Betreten Sie eine neutrale Zone, nehmen Sie das Gespräch auf und drücken Sie Freude darüber aus, die Möglichkeit des Austausches zu haben. Seien Sie offen und hören Sie wertefrei zu.

 

Herausforderung Homeoffice gemeinsam erfolgreich meistern

Geben Sie Unterstützung, wenn Sie Überforderung mit der Situation bei Ihren Lernenden wahrnehmen. Informieren Sie das Gegenüber über die Möglichkeiten im Umgang mit der Situation und allfälligen Hilfemöglichkeiten. Wenn Lernende professionelle Hilfe benötigen, ermutigen Sie sie dazu.

Bieten Sie Hilfe an, wo Lernende selber nicht in der Lage sind sich Hilfe zu holen. Sprechen Sie die Lernenden auf mögliche unterstützende Personen in ihrem Umfeld an, denen sie vertrauen und die sie in diesem Prozess unterstützen können. Vereinbaren Sie den nächsten Austausch, um über bereits vollzogene Schritte in der Situation zu sprechen.

Menschlichkeit braucht vor allem Eines: ein grosses Herz.

Autor dieses Beitrages: Simon Hausammann, Geschäftsführer, berufsbildner.ch AG, seit seiner eigenen Lehrzeit ist er mit jungen Menschen in der Berufsbildung oder in der Freizeit begeistert unterwegs. In der Berufsbildung hat sich Simon durch die unterschiedlichen Rollen und Funktionen einen breiten Horizont und ein vertieftes Wissen angeeignet und kann auf einen reichen Erfahrungsschatz zurückgreifen. Seit dem 1. Januar 2021 ist er Geschäftsführer der berufsbildner.ch AG. Jährlich absolvieren rund 6‘000 Kurteilnehmende einen Grundkurs für Berufsbildende oder eine Weiterbildung. In der Freizeit engagiert sich Simon Hausammann als Co- Präsident der ZKW (Zürcher Konferenz für Weiterbildung) für positive Rahmenbedingungen in der Weiterbildung und leitet als Projektleiter einen regionalen Berufswahlparcours für Schüler/innen der Oberstufe mit über 60 aktiven Betrieben.

Viele Menschen wissen nicht wie sie reagieren sollen bei psychischen Problemen von Jugendlichen. Dieses Seminar schafft Sensibilität in diesem Thema und hilft ihnen als Erst Helfer/in sich richtig zu verhalten.

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