Konzept Lernende im Homeoffice, Jugendlicher am Laptop zu Hause

Homeoffice für Lernende: Funktioniert das wirklich?

Die Pandemie und die daraus resultierenden Schutz-Massnahmen haben die Schweizer Wirtschaft weiterhin fest im Griff. Die Homeoffice-Pflicht betrifft nicht nur die Angestellten, sondern auch die Lernenden. Eine grosse Herausforderung für die Lernenden. Wie geht es ihnen dabei? Fühlen Sie sich trotzdem gut betreut und ausgebildet? Wie organisieren sie sich? Was vermissen sie und worauf freue sie sich? Drei Lernende erzählen offen über ihre Zeit im Homeoffice.

Im Homeoffice brauchen Lernende Struktur

Wir haben drei Lernende aus unterschiedlichen Lehrbetrieben, Ausbildungsberufen und Branchen befragt, wie sie die Zeit im Homeoffice wahrnehmen, um einen möglichst guten Einblick in die Funktionalität des Konzepts Homeoffice für Lernende zu erhalten. Noel Gadient ist Zeichner FR Architektur und im 3. Lehrjahr bei ARCHPLAN, Alya Aichinger ist in der Ausbildung zur Kauffrau im 1. Lehrjahr bei der Suva und Yannic Tobler ist Informatiker im 3. Lehrjahr bei der Abraxas Informatik.

Seit wann bist du im Home-Office?

Noel: “Seit Beginn der Homeoffice-Pflicht am 18. Januar bin ich drei Tage die Woche im Homeoffice. Die restlichen zwei Tage habe ich Präsenzunterricht in der Berufsschule und der BMS. Ab und zu kommt es vor, dass ich mal kurz ins Büro muss, z.B. um etwas zu besprechen.”

Yannic: “Ich befinde mich seit den 18.1 im Homeoffice. Ausgenommen ist der Schulunterricht, welcher inzwischen wieder vor Ort stattfindet.”

Alya: “Ich war von Mitte November 2020 bis Mitte März 2021 im Homeoffice. Seit Januar kann ich einen Tag in der Woche wieder ins Büro gehen.”

 

Die Auswirkungen des Homeoffice auf die Lernenden sind unterschiedlich

Wie geht es dir in dieser ganz speziellen Zeit?

Noel: “Mir geht es im Homeoffice grundsätzlich gut. Da in den Schulen Präsenzunterricht herrscht, habe ich trotzdem noch Kontakt mit meinen Klassenkameraden und komme fast täglich aus dem Haus. Das finde ich sehr wichtig, denn dadurch fühle ich mich nicht eingeschränkt, einsam oder ähnliches.”

Yannic: “Am Anfang fühlte ich mich sehr wohl im Homeoffice, da man schnell und ungestört vorankommt.  Inzwischen fühle ich mich aber oft alleine und vermisse mein Team. Der Sozialaspekt fehlt mir sehr und habe auch öfters richtige Durchhänger. Dann finde ich einfach keine Motivation. Einen Ausgleich bietet mir das Training, das ich inzwischen wieder durchführen kann und die Wochenenden.”

Alya: “Mir ging es eigentlich ganz gut im Homeoffice. Natürlich gab es Vor- und Nachteile. Aber das Meiste hat gut funktioniert. Der persönliche Kontakt mit der Berufsbildnerin und den Kollegen hat aber gefehlt. Generell habe ich festgestellt, dass ich schneller gereizt war. Nach der Arbeit musste ich unbedingt kurz raus an die frische Luft. Die Bewegung kam sicher zu kurz. Dafür ist der Arbeitsweg weggefallen und ich konnte morgens aufstehen und ganz einfach 15 Minuten später am Laptop sitzen.”

Eine gute Arbeitsorganisation ist wichtiger, denn je

Wie organisierst du deinen Tag?

Noel: “Ich organisiere mich, indem ich mir morgens klare Ziele setzte, was ich am Tag erreichen möchte. Meistens arbeite ich von 8 Uhr bis 12 Uhr und von 13 Uhr bis 17 Uhr. Da man von zuhause arbeitet, ist man flexibler und kann sich die Zeit besser einteilen. Mein Arbeitsplatz befindet sich in meinem Zimmer. Da habe ich meinen Schreibtisch mit ausreichend Platz für meinen PC und die Arbeitsunterlagen. Ich kann also mühelos und ungestört arbeiten.”

Yannic: “Ich stehe immer zur gleichen Zeit auf. Danach gehe ich duschen und fange an zu arbeiten. In der Morgenpause trinke ich meistens Kaffee mit der Familie und esse etwas. Meine Mutter kocht für uns zu Mittag welchen wir je nach Terminkalender auch wieder zusammen haben. Feierabend mache ich gegen 17.00 Uhr und gehe dann oft noch ins Lernatelier oder zum Training.”

Alya: “Am Morgen habe ich telefonisch oder per Mail meine Aufträge erhalten. Mir wurden alle zu bearbeitenden Dokumente weitergeleitet und ich wusste genau, was ich erledigen musste. Wenn ich Fragen hatte, konnte ich jederzeit anrufen. Ich fühlte mich gut betreut. In dieser Homeoffice Zeit hatte ich genug zu tun, war also genauso produktiv, wie sonst.”

 

Siehst du auch Vorteile an der Home-Office-Situation?

Noel: “Ein grosser Vorteil für mich ist es, dass ich mittags mit meiner Familie essen kann. Im Homeoffice spare ich mir ausserdem den gesamten Arbeitsweg und damit enorm viel Zeit.”

Yannic: “Würden wir über einen Tag im Monat reden, hätte das Homeoffice definitiv den Vorteil, einmal einen ganzen Tag lang ungestört arbeiten zu können. Auf Dauer sehe ich aber leider nur Nachteile, da bei uns Teamarbeit ein wesentlicher Faktor ist.”

 

Welche Fähigkeiten hast du erworben?

Alya: “Ich kann mich jetzt viel besser organisieren. Ich habe in der Homeoffice-Zeit jeden Morgen zuerst eine Liste mit den Aufgaben und deren Priorität erstellt. So war mein Tagesablauf sehr strukturiert. Diese Arbeitseinteilung habe ich beibehalten und mache jetzt sogar für die Berufsschule Listen, damit ich strukturierter lernen kann.” 


Am Meisten fehlt den Lernenden der persönliche Austausch mit Kollegen

Was vermisst du?

Yannic: “Am meisten fehlt definitiv der aktive Kontakt im Team, der auch Vieles vereinfachen würde. Wir halten alle Termine per Zoom Call, was auf Dauer sehr anstrengend sein kann. Außerdem ist der Ablenkungsfaktor im eigenen Zimmer deutlich höher, als im Büro. Ansonsten läuft das Homeoffice insgesamt gut.”

Worauf freust du dich am meisten?

Noel: “Ich freue mich vor allem darauf, meine Arbeitskollegen wieder im Büro zu sehen. Es würde mir aber auch nichts ausmachen, wenn ich noch weiter im Homeoffice verweilen müsste, da ich mich hier ebenfalls sehr wohl fühle.”

Freust du dich auf die Zeit, wenn du wieder im Büro arbeiten darfst?
Yannic: “Auf die Zeit im Büro freue ich mich sehr. Es ist ein Schritt zurück in das gewohnte Leben. Zudem sehe ich mein Team wieder und es müssen nicht mehr alle Meetings online gehalten werden.”

 

Homeoffice oder nicht – Wie soll es nach der Pandemie weitergehen?

Wenn du freie Wahl hättest, wie würdest du in Zukunft deine Arbeit gestalten?

Alya: “Ich arbeite sehr gerne im Büro. Der direkte Kontakt ist mir wichtig. Aber gegen einen Homeoffice-Tag pro Woche hätte ich nichts einzuwenden.”

 

Fazit

Jugendliche schaffen es in der Regel sehr gut sich an spezielle Gegebenheiten anzupassen. Trotzdem ist es wichtig, sie nicht alleine zu lassen und im Austausch zu bleiben. Um die Zeit nach dem Homeoffice gut zu gestalten, wird es wichtig sein, ein gemeinsames Fazit mit den Lernenden zu ziehen. Tauschen Sie sich doch gemeinsam über folgende Fragen aus:

  • Was hast du vermisst und was nicht?
  • Hat sich dein Arbeitsstil in dieser speziellen Zeit verändert?
  • Was wünschst du dir für die Zeit nach dem Homeoffice?
  • Gibt es Errungenschaften, welche wir beibehalten sollten?
  • In welchem Bereich wünscht du dir zusätzliche Unterstützung? Was kam eventuell zu kurz?
  • Wie können wir uns als Team weiterentwickeln? Unseren Zusammenhalt stärken?

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