Nachteilsausgleich in der Berufsbildung, Jugendlicher im Rollstuhl am Konferenztisch

Informationen zum Nachteilsausgleich in der Berufsbildung

Lernenden mit Behinderung oder Lernschwierigkeiten, wie z.B. Legasthenie oder Dyskalkulie, dürfen in der beruflichen Grundbildung und in der höheren Berufsbildung auf Grund der Behinderung keine Nachteile entstehen. Das ist gesetzlich geregelt und gilt sowohl für das Lernen im Allgemeinen, als auch für das Qualifikationsverfahren. Deshalb ist es wichtig, dass Sie als Berufsbildner*in wissen, welche Hilfestellungen gewährt werden können, um behinderungsbedingte Nachteile auszugleichen. Sowohl während der beruflichen Grundbildung, als auch bei den Qualifikationsverfahren. In diesem Blogbeitrag gibt Autorin Nicole Harzenmoser wertvolle Tipps, wie und vor allem wo Sie die notwendigen Informationen erhalten können.

Tipp 1: Fragen Sie aktiv bei Bewerber*innen nach

In der Praxis zeigt es sich, dass Bewerber*innen selten von sich aus eine Behinderung oder Lernschwierigkeit bereits im Bewerbungsprozess ansprechen. Deshalb ist es sinnvoll, dass Sie als Berufsbildner*in nachfragen, ob der*die zukünftige Lernende während der Volksschule individuelle Unterstützung beanspruchte. Falls Sie eine positive Antwort erhalten, fragen Sie auch danach, in welcher Art und Weise und ob aufgrund dessen Abklärungen passiert sind. Sie können dann gemeinsam besprechen, welche nächsten Schritte notwendig wären oder worauf geachtet werden muss.

 

Tipp 2: Auf die Möglichkeit eines Nachteilsausgleich aufmerksam machen

Weisen Sie zukünftige Lernende und deren gesetzliche Vertretung auf die Möglichkeit eines Nachteilsausgleiches während der beruflichen Grundbildung hin.

Für das Gesuch eines Nachteilsausgleiches benötigt es ein aktuelles Gutachten (nicht älter als 2 Jahre) eines Arztes oder einer legitimierten Fachstelle, in dem die Behinderung oder die Lernschwierigkeit bestätigt wird.

Falls eine solche Abklärung z.B. aufgrund der Empfehlung für einen Nachteilsausgleich während der beruflichen Grundbildung notwendig ist, ist es sinnvoll, dass Ihr*e Bewerber*in dies noch in der Oberstufe vor Lehrbeginn veranlasst. Die Klassenlehrperson, wie auch der*die Schulische Heilpädagoge kann der lernenden Person und den Eltern dabei behilflich sein. Zudem kann das zuständige Berufsbildungsamt beratend zur Seite stehen.

 

Tipp 3: Frühzeitiges Anmelden der Bedürfnisse

Bei Lehrbeginn kann die lernende Person dieses Gesuch in der Berufsschule entweder direkt der Klassenlehrperson oder einer anderen zuständigen Stelle zukommen lassen. Dann kann möglichst schnell der Nachteilsausgleich umgesetzt werden. Es empfiehlt sich ebenfalls, dass der*die Lernende bei Bedarf frühzeitig auf die Lehrpersonen in der Berufsschule zugeht und mitteilt, um welche Unterstützung er*sie in der Lernbegleitung froh wäre oder welchen Nachteilsausgleich er*sie während der Berufsschule beanspruchen möchte.

 

Tipp 4: Lernziele bleiben gleich – die Rahmenbedingungen werden angepasst

Der Nachteilsausgleich ermöglicht keine Anpassung der Leistungsziele. Es werden lediglich die Rahmenbedingungen während des Unterrichts und der Prüfungssituation (im Rahmen einer Prüfungserleichterung) angepasst. Damit wird die Behinderung oder Lernschwierigkeit nicht zum Nachteil. So kann z.B. ein*e Lernende*r aufgrund einer diagnostizierten Legasthenie einen Zeitzuschlag und «Nicht Berücksichtigung» der Rechtschreibung als Prüfungserleichterung beantragen. Es gibt keinesfalls die Legitimation ohne grosse Bemühungen draufloszuschreiben.

 

Tipp 5: Zögern Sie nicht Unterstützung einzufordern – die Kontaktstellen

Eine weitere Unterstützung für Sie als Berufsbildner*in sind die kantonalen Berufsbildungsämter, welche sie im weiteren Vorgehen beraten können.

 

Autor*in dieses Beitrages: Nicole Harzenmoser, Supervisorin, Coach und Organisationsberatung, Leitung Abteilung Beratung und Förderung am Berufsbildungszentrum Herisau, Lernenden – und Ausbildungsberatung

Tipps zum Nachteilsausgleich zusammengefasst:

  • Bereits im Bewerbungsverfahren oder vor Lehrbeginn nachfragen, ob individuelle Unterstützung während der Oberstufe beansprucht wurde
  • Die lernende Person und deren gesetzliche Vertretung auf die Möglichkeit eines Nachteilsausgleiches aufmerksam machen
  • Bei der Klasselehrperson der Oberstufenlehrperson diesbezüglich Rückmeldung, bzw. Empfehlung einholen
  • Sich von den kantonalen Berufsbildungsämtern beraten lassen
  • Besteht ein Gesuch für eine Nachteilsausgleich, dieses der Berufsschule, bzw. den Lehrpersonen bei Lehrbeginn zukommen lassen

Der SDBB-Bericht «Nachteilsausgleich für Menschen mit Behinderung in der Berufsbildung», Merkblatt 213, enthält ausführliche Informationen zum Thema, ebenso ist die Empfehlung Nr. 7 der SBBK mit verschiedenen Formularen informativ und hilfreich.

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