Berufsbildner, Lernende betreuen

Brauchen Berufsbildner/innen eine bessere Grundausbildung um Lernende professionell zu betreuen?

Vergleicht man die Grundausbildung der Berufsbildner/innen mit anderen Ausbildungen, ist die Ausbildungszeit im Grundkurs marginal. Dabei tragen diese Personen eine grosse Verantwortung. Sowohl im Alltag bei der Betreuung der Lernenden, als auch darüber hinaus für die Qualität unseres Berufsbildungssystems.

Eine professionelle Betreuung von Lernenden hat langfristige Vorteile

Lernende betreuen ist eine anspruchsvolle und verantwortungsvolle Aufgabe. Dabei geht der Einfluss der Betreuung von Lernenden weit über den Abschluss der Lehre hinaus: Bleiben die Lernenden nach der Lehre im Betrieb, spart das Unternehmen Kosten für Personalbeschaffung und Einarbeitung. Berufsbildner/innen haben somit einen nachhaltigen Einfluss auf unterschiedlichste Unternehmensbereiche und leisten mit der Ausbildung qualifizierter Nachwuchskräfte einen wichtigen Beitrag für die Zukunft Ihres Unternehmens sowie Ihrer Branche.

 

Dennoch sieht das bestehende Berufsbildungsgesetz lediglich vor, dass eine Berufsbildnerin oder ein Berufsbildner, bevor sie Lernende betreuen dürfen, einen 40-stündigen Grundkurs absolvieren muss. Zusätzlich werden – je nach Kanton -zwei Jahre Erfahrung im Berufs- oder Tätigkeitsbereich verlangt. Eine vergleichsweise sehr kurze Grundausbildungszeit.  Lehrpersonen und ÜK-Leiter/innen werden z.B. in einer umfassenden methodisch-didaktischen Ausbildung auf ihre Tätigkeiten vorbereitet. Eine Auswertung unserer internen Zahlen hat zudem ergeben, dass 30% der Kursteilnehmenden im Grundkurs unter 24 Jahre alt sind. Weitere 25% sind 25- bis 29-jährig. Das bedeutet, dass in vielen Betrieben sehr junge Mitarbeitende in der Lehrlingsausbildung tätig sind. Gegen diese Tatsache ist nichts einzuwenden, ausser, dass junge Berufsbildnerinnen und Berufsbildner oft noch wenig «Führungs- und Ausbildungserfahrung» haben. Dennoch übernehmen sie nach der kurzen Grundausbildungszeit verantwortungsvolle und richtungsweisende Aufgaben, indem sie Lernende betreuen und auf ihren Berufsalltag vorbereiten. Stellt sich die Frage, ob eine bessere Grundausbildung die jungen Berufsbildner/innen besser auf ihre Tätigkeiten vorbereiten würde und die Qualität der Betreuung der Lernenden erhöhen würde.

Steigender Qualitätsanspruch an die Betreuung der Lernenden

Es ist unbestritten, dass das Ausbildungsgeschehen auf allen Stufen immer anspruchsvoller wird. Eine enge, professionelle Betreuung der Lernenden ist daher gefordert und Ausbildungspläne müssen entsprechend der neuen Anforderungen angepasst werden. Viele Branchen stellen ihre Bildungspläne bereits auf Handlungskompetenzen um. Diverse grosse Unternehmen rüsten sich mit eigenen internen Berufsbildungszentren, um dem steigenden Qualitätsanspruch gerecht zu werden.

Dabei bleibt aber bisher Eines unberücksichtigt: 70% der Lehrstellen werden in Unternehmen mit weniger als 50 Mitarbeitenden vergeben. Deswegen bedarf es einer tiefgreifenden Grundausbildung für Berufsbildner/innen, um so Lernende professionell betreuen zu können. So oder so: Berufsbildnerinnen und Berufsbildner müssen sich fachspezifisch weiterbilden, wenn unser Berufsbildungssystem nicht an Qualität verlieren soll.

Investition in die Zukunft: Berufsbildner/innen stärken

Mit einer vertieften Aus- und Weiterbildung können wir auch die Stellung der Ausbildungsverantwortlichen stärken. Sie gewinnen durch den erlangten Abschluss einen «Wert» und die Betriebe sehen sich eher dazu geneigt, in diese zentrale Personengruppe zu investieren. Eine Studie des EHB zeigt nämlich, dass Berufsbildner/innen oft zu wenig Anerkennung im Betrieb geniessen. Mehr dazu in diesem Blog-Beitrag.

Um neue Idee und Inputs für die tägliche Arbeit mit Lernenden zu erhalten, lohnt sich eine Weiterbildung. Rund um das Thema Berufsbildung gibt es zahlreiche Weiterbildungsangebote verschiedener Anbieter. Bei berufsbildung.ch finden verschiedene Angebote online und offline statt.

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