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«Besondere» Lernende haben starke Fähigkeiten

Viele Lehrbetriebe scheuen sich davor, einen Jugendlichen einzustellen, der einen «besonderen Hintergrund» mitbringt. Dabei kann er genauso gut sein wie ein «gewöhnlicher» Lernender. Das zeigt sich beispielhaft an Christoph Messmer, der seine Lehre als Klassenbester abschloss.

Christoph Messmer hat die Lehrabschlussprüfung zum Kaufmann EFZ B-Profil Dienstleistung und Administration mit der Gesamtnote 5,1 als Klassenbester abgeschlossen. Er entwickelte früh effiziente Methoden durch aktives Zuhören, seine grosse Stärke. So war denn auch nicht die schulische Leistung die Hürde, vielmehr hatte Christoph familiäre Probleme, die sich auf seine Persönlichkeit auswirkten. Darum wurde er während der Lehrzeit von der Stiftung «DIE CHANCE» begleitet. Ausbildungsberaterin und Coach Gaby Braun hat ihn moralisch unterstützt, ihm zugehört, wenn er Missstände beobachtete, wenn er das Gefühl hatte, nicht gehört zu werden. «Er war oft unterfordert, dann sind ihm Fehler unterlaufen», erklärt Braun. Er sei sensitiv und erkenne sehr schnell gewisse Entwicklungen, das habe ihn zugleich überfordert. «Meine Aufgabe war es, sein Selbstwertgefühl zu stärken».

Gaby Braun und Christoph Messmer haben sich alle 3 bis 6 Monate getroffen. Je nach Bedarf und akuter Themen. Auch mit den Ausbildungsverantwortlichen des Lehrbetriebes hat sie Gespräche geführt. Die Leomat AG in Tübach hat es nicht bereut, Messmer eingestellt zu haben. Dem Lehrbetrieb war bewusst, was das bedeutet, und das ist entscheidend: «Es steht und fällt mit dem Berufsbildungsverantwortlichen; es braucht Geduld, Gelassenheit und gegenseitige Wertschätzung, alle müssen wollen und eine offene Kommunikation führen», erklärt Gaby Braun. Das Erfolgsrezept: Den Lernenden «eng halten» im Ausbildungsplan, Strukturen vorgeben, regelmässig hinschauen und nicht erst, wenn die schlechten Noten oder Auffälligkeiten da sind. Bestenfalls werden auch Lernfenster angeboten. Die Stiftung DIE CHANCE hilft den Lehrbetrieben dabei.

Bleibt noch eine wichtige Frage, die sich wohl jeder Berufsbildner stellt: Warum soll ein Lehrbetrieb einen Jugendlichen mit einer schulischen oder sonstigen Schwäche einstellen? «Ein solcher Lernender braucht vielleicht etwas mehr Zeit oder Verständnis, aber ein Lehrbetrieb profitiert genauso von seinen Fähigkeiten. Sie sind vollwertige Arbeitskräfte, was oft unterschätzt wird», so Gaby Braun. Christoph Messmer ist das beste Beispiel dafür. Langfristig sieht er sich im Unternehmertum, möchte Firmen mit aufbauen und skalieren. «Das ist mein Ziel», so Messmer, «und dieses Ziel erfordert permanente Weiterbildung.»

Die Chance – Stiftung für Berufspraxis in der Ostschweiz
Ein Jugendlicher meldet sich bei DIE CHANCE, wenn er merkt, dass er in der Ausbildung aus verschiedenen Gründen ansteht. Wenn der Lehrbetrieb nicht mehr weiter weiss oder wenn Probleme auftauchen, die man selbst nicht lösen kann. Das Angebot ist kostenlos. Infos: www.die-chance.ch.

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