Berufliche Identität fördern trotz COVID-19

Ein positives berufliches Selbstbild bei Lernenden zu schaffen sollte für Berufsbildner*innen weit oben auf der Prioritätenliste stehen. Ob sich die Lernenden zu ihrem Ausbildungsberuf bekennen und sich darin wieder erkennen hat einen enormen Einfluss auf die Integration der jungen Menschen im Betrieb. Doch wie können Sie als Berufsbildner*in auch in diesen anspruchsvollen Zeiten mit Restriktionen und Homeoffice-Pflicht die berufliche Identität Ihrer Lernenden fördern? Für die Jugendlichen sind die Corona-Restriktionen sehr einschneidend, prägend und frustrierend. Wichtige Begegnungen mit den Peergroups und dem neuen Lehrbetrieb entfallen teilweise oder komplett. Expertin Sunita Pribil-Grünenfelder gibt deswegen in diesem Beitrag 5 Tipps, wie Sie Ihre Lernenden so betreuen, dass sie trotz widriger Umstände eine stabile berufliche Identität entwickeln.

Herausforderung Betreuung und Einführung in den Lehrbetrieb

Die Lernenden, die gerade erst mit der Lehre beginnen, sollen gut begleitet und strukturiert in den Lehrbetrieb eingeführt werden. Dies ist während der Pandemie noch anspruchsvoller aber auch umso wichtiger. Nur so können die Lernenden trotzdem Fuss fassen und sich in den Lehrbetrieb integrieren. Ihre Lernenden müssen das Gefühl haben, dass sie willkommen sind. Dass sie gebraucht werden und dass ihre berufliche Identität gefördert wird. Bereits im Artikel «5 Tipps, um die berufliche Identitätsentwicklung Ihrer Lernenden zu fördern» wurden hilfreiche Tipps für die Förderung der beruflichen Identität gegeben. Doch wie funktioniert das Ganze unter Coronabedingungen?

 

Tipp 1: Die optimale Lernumgebung schaffen im Home-Office

Damit die Lernenden trotz Coronaeinschränkungen ein positives berufliches Selbstbild entwickeln können, braucht es nicht nur Kreativität bei den Lernenden, sondern vor allem bei den Berufsbildungsverantwortlichen. Es gilt mit kreativen Ideen den Lernenden das Gefühl des Vertrauens zu übermitteln. Dies können Sie vermitteln, indem Sie den Lernenden angemessene Aufträge geben, welche sie zu Hause bearbeiten können. Diese Aufträge sollten sinnstiftend sein und mit den Lernenden ausführlich besprochen werden. Die Gefahr der Unter- oder Überforderung kann so eingeschränkt werden. Im Idealfall werden die Aufträge schriftlich formuliert. Dies schafft Verbindlichkeit und Transparenz. Wichtig ist, dass die Lernenden während dieser Zeit der selbständigen Bearbeitung wissen, wo sie sich bei Fragen melden können. Die Ansprechpersonen und deren Erreichbarkeit muss ganz klar geregelt und kommuniziert werden. Die Lernenden müssen spüren, dass ihnen Vertrauen geschenkt wird und dass sie umfassend betreut werden.

 

Tipp 2: Lernende betreuen durch aktive Reflexion im Home-Office

Gerade unter diesen Bedingungen spielen die an der Ausbildung beteiligten Personen eine sehr wichtige Schlüsselrolle in der Identitätsfindung der Jugendlichen. Die Lernenden sollen die Gelegenheit erhalten im Home-Office ihre Arbeit gemeinsam mit den Ausbildungsverantwortlichen zu reflektieren. Diese Reflexion sollten Sie als fixen Bestandteil einplanen und engmaschig verfolgen. Sogar noch intensiver, als wenn die Lernenden im Lehrbetrieb arbeiten. So erhalten die jungen Menschen die Möglichkeit, ihre Arbeit und ihre Gefühlslage zu reflektieren. Planen Sie Raum ein, damit die Lernenden ihre positiven Erlebnisse aber auch ihre Sorgen und Ängste ansprechen können. Nur so können Ihre Lernenden Strategien entwickeln mit dieser anspruchsvollen Situation umzugehen. Sie müssen das Gefühl erhalten, dass sie trotz der Distanz zum Lehrbetrieb getragen werden.

Tipp 3: Fördern Sie die soziale Interaktion trotz Home-Office

Sorgen Sie dafür, dass die Lernenden bei digitalen Treffen des Teams unbedingt dabei sind. Sie dürfen nicht vergessen werden! Ihre Lernenden sollen spüren, dass sie ein Teil des Ganzen sind und sich einbringen dürfen. Sie sollen einen fixen Bestandteil einer Arbeitsgruppe übernehmen und ihre Ideen und Gedanken kundtun dürfen. So wird das «Wir-Gefühl», die soziale und kommunikative Kompetenz und die berufliche Identität gefördert.

 

Tipp 4: Trotz Home-Office Lernende mit Wertschätzung betreuen und eine Fehlerkultur implementieren

Dieser Übermittlung der Wertschätzung und der sozialen Anerkennung gilt es sorgsam Beachtung zu schenken. Entweder per Telefon oder per online Meeting. Viel wirkungsvoller ist aber, wenn Sie mit dem*der Lernenden einen Termin vereinbaren, bei dem Sie mit ihm*ihr eine Runde um den Lehrbetrieb spazieren.  Durch die Tatsache, dass Sie mit dem*der Lernenden einen Gesprächstermin vereinbaren, spürt er*sie, dass Ihnen die Betreuung wichtig ist. Bei diesem Spaziergang können die Lernenden über ihre Fehler reden und gemeinsam mit Ihnen nach Lösungen suchen. Damit das Gesagte nicht im Boden versandet, kann das Gespräch z.B. mit dem Handy aufgezeichnet werden. Die Lernenden können anschliessend zu Hause das Audio abhören und einen Eintrag in ihr Lerntagebuch schreiben mit den besprochenen Massnahmen. Diese werden beim nächsten Gespräch evaluiert.

 

Tipp 5: Peergrouptreffen ermöglichen und Werteentwicklung begleiten unter Corona

Gerade in der Zeit der Berufslehre sind die Jugendlichen oftmals mit sich selber und ihrer Suche nach der Ich-Identität beschäftigt. In dieser Zeit spielt die Peergroup eine wichtige Rolle. Doch die Interaktion mit dieser leidet in der aktuellen Situation stark. Es ist wichtig, Ihren Lernenden die Möglichkeit zu bieten, sich bei Bedarf mit anderen auszutauschen. Versuchen Sie doch eine Möglichkeit zu schaffen, damit sich Ihre Lernenden einmal in der Woche online treffen können. So bekommen alle die Gelegenheit sich unter Gleichgesellten auszutauschen und über ihre Erfolge und Befürchtungen zu reden. Diese Treffen können bewusst auch ohne Sie als Ausbildungsverantwortliche*n stattfinden. Sind Sie jedoch dabei, können Sie die Gruppe moderieren und eine kollegiale Beratung durchführen. Dies ermöglicht es den Lernenden, ihre Probleme gemeinsam zu beleuchten und nach Lösungen zu suchen. Sie erhalten auf diese Weise das Gefühl, dass sie ernst genommen und nicht vergessen werden.

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