Ausbildungsqualität verbessern – aber wie?

Es hat viele Vorteile sich als Lehrbetrieb um eine gute Ausbildungsqualität zu kümmern. Nicht nur das eigene Image verbessert sich massiv, sondern es steigen zudem die Motivation und das Engagement von Lernenden und Berufsbildenden. Sich dabei einen Profi an die Seite zu holen und bestehende Instrumente und Labels zu nutzen, kann sich in vielerlei Hinsicht lohnen.

Lehrbetriebe, die sich aktiv um eine gute Ausbildungsqualität bemühen und diese kontinuierlich verbessern, profitieren mehrfach. Sie kommen damit nicht nur ihren gesetzlichen Verpflichtungen (Berufsbildungsgesetz Art. 8 «Die Anbieter von Berufsbildung stellen die Qualitätsentwicklung sicher») nach, sondern erreichen damit auch eine höhere Arbeitgeberattraktivität. Wer die Qualität regelmässig prüft, der

 

… findet leichter passende Lernende und reduziert den Rekrutierungsaufwand.

… hat motiviertere und leistungsfähigere Lernende, die dem Unternehmen erhalten bleiben.

… kennt sein Verbesserungspotential und ist der Konkurrenz einen Schritt voraus.

… stellt sicher, dass Vorgaben und Richtlinien im ganzen Lehrbetrieb eingehalten werden.

… zeigt Wertschätzung gegenüber Lernenden und Berufsbildenden.

Doch wie genau kann ein Lehrbetrieb eine gute Qualität der Ausbildung sicherstellen?

 

Instrumente und Dienstleistungen zur Prüfung und Optimierung der Ausbildungsqualität

Die Art und Weise, wie man sich um Qualität bemüht und diese prüft, kann sehr unterschiedlich aussehen und ist meist von der Grösse, sowie dem Budget des Ausbildungsbetriebs abhängig. Die ersten Schritte zu einer besseren Qualität können sehr einfach sein. Sie beginnen beispielsweise bei der Prüfung der Einhaltung von Ausbildungsrichtlinien, Gesprächen mit den Lernenden und Berufsbildenden oder auch eigenen internen Checklisten. Hierfür eignet sich besonders die QualiCarte. Sie ist einfach in der Anwendung und kann von jedem Betrieb ohne externe Kosten durchgeführt werden. Die QualiCarte bietet eine erste Grundlage und ist eine gute Basis für Kleinbetriebe und solche, welche erst vor kurzem mit dem Ausbilden von Lernenden begonnen haben.

Wer über die Basics hinausgehen und auch die blinden Flecken aufdecken möchte, der arbeitet am besten mit einem externen Anbieter zusammen. Bevorzugt sollte ein Lehrbetrieb mit einem Dienstleister arbeiten, der sich in den Bereichen Befragungen, Audits und Zertifizierungen auskennt. Die bekanntesten drei Schweizer Zertifizierungen sind «Ausgezeichneter Ausbildungsbetrieb», «Top Ausbildungsbetrieb» und «Great Place to Start». Jeder dieser Anbieter hat ein etwas anderes Vorgehen und dadurch unterschiedliche Vor- und Nachteile.

Ausgezeichneter Ausbildungsbetrieb

Die Analyse von Ausgezeichneter Ausbildungsbetrieb bezieht sowohl die Sicht der Lernenden, als auch die der Berufsbildung und Organisation mit ein. Bereits ab wenigen Lernenden ist eine Durchführung möglich. Die eingesetzten Methoden und Fragen gehen in die Tiefe und basieren auf etablierten Modellen. Die individuellen Bedürfnisse und Rahmenbedingen der Betriebe werden stets berücksichtigt. Ergänzt werden kann auch mit einer Befragung der Berufsbildenden und zusätzlichen Angeboten zur Weiterentwicklung der Ausbildung.

 

Top Ausbildungsbetrieb

Das Label verfügt über drei Stufen, wobei jeder Betrieb bei Stufe 1 beginnt und selbst entscheiden kann, bis zu welcher Stufe weitergemacht werden soll. Im Mittelpunkt stehen die Ausbildung und Entwicklung der Berufsbildenden. Das Angebot richtet sich überwiegend an Klein- und Kleinstbetriebe. Das bedeutet, dass bereits ab einem Lernenden mit Top Ausbildungsbetrieb zusammengearbeitet werden kann.

 

Great Place to Start

Bei Great Start wird die Perspektive der Lernenden und der Berufsbildung berücksichtigt. Die Durchführung ist ab 10 Lernenden möglich. Zudem gibt es verschiedene Pakete, mit denen die unterschiedlichen Bedürfnisse der Betriebe abgeholt werden können. Eine Befragung der Berufsbildenden sowie eine Begleitung und Ausarbeitung von weiteren Entwicklungsschritten ist möglich.

Wichtige Kriterien, um den geeigneten Anbieter zu finden

Für welchen Anbieter sich ein Lehrbetrieb entscheidet hängt von verschiedenen Faktoren ab. So können Kleinbetriebe aufgrund der geringen Mindestanzahl an Lernenden von Top Ausbildungsbetrieb profitieren, wohingegen die anderen beiden Labels, mehrere Lernende voraussetzen. Ein weiterer wichtiger Punkt ist zudem die Frage, was man mit den Ergebnissen wirklich machen möchte. Dient die Zertifizierung rein den Marketingzwecken des Betriebes oder soll der Fokus doch eher auf der Entwicklung liegen? Je nach Antwort fällt die Entscheidung auf unterschiedliche Anbieter. Ebenfalls wichtig ist, welche Personen im Fokus stehen sollen. Möchte man die Ausbildung der Berufsbildenden forcieren oder sich doch mehr auf die Lernenden selbst konzentrieren?

Es empfiehlt sich genau hinzuschauen, welche Qualitätskriterien bei den verschiedenen Analysen abgedeckt werden. Wie tief gehend sind die Untersuchungen, die Fragen, die Evaluationen? Was wird genau gefragt und auf welchen Theorien und Modellen basiert die Erhebung? Wie kann die Befragung an die jeweiligen Bedürfnisse des Betriebs angepasst werden und mit welchen Kostenfolgen muss dann gerechnet werden?

Allgemein ist es sinnvoll vor dem Einholen der Angebote verschiedener Anbieter klare Kriterien zu definieren, die für den Lehrbetrieb wichtig sind. Damit lassen sich die Angebote besser vergleichen und man kann das passendste auswählen.

 

Fazit – es lohnt sich

Grundsätzlich spielt es keine Rolle für welchen Anbieter oder welches Label sich ein Lehrbetrieb entscheidet. Das Wichtigste ist, dass man sich als seriöser Ausbildungsbetrieb um eine gute Ausbildung kümmert. Dazu gehört es, sich auch die Qualität der Ausbildung genau anzuschauen und diese stets weiterzuentwickeln. Damit Lernende von ihrer Lehre begeistert sind und den guten Ruf der Berufsbildung und des Lehrbetriebs weitertragen.

 

 

Autorin dieses Artikels: Janine Brühwiler ist studierte Psychologin und erstellt und leitet seit über 7 Jahren methodisch saubere Befragungen in und für Unternehmen, sowie insbesondere Lehrbetriebe. Sie arbeitet überwiegend mit Ausbildungsbetrieben, Berufsschulen, Berufsbildungsforen und Verbänden zusammen. Während ihrer Zeit als Personalentwicklerin bei der Stadt Winterthur erarbeitete sie ein Qualitätsmanagementkonzept für die berufliche Grundbildung. Dabei setzte sie sich intensiv mit den verschiedenen Anbietern auseinander und kennt deren Vor- und Nachteile deswegen bestens.

Kriterien, um den passenden Anbieter zu finden

  • Anzahl Lernende
  • Ziel / Verwendung der Ergebnisse
  • Zielgruppe Lernende, Berufsbildende oder Ausbildungsstruktur
  • Qualität und Tiefe der Analysen
  • Individualisierungsmöglichkeiten

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