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Ausbilden in Krisenzeiten, Lernende und Berufsbildner beim Unterricht

Herausforderung Ausbilden in Krisenzeiten

Rückblickend war das vergangene Jahr für die Auszubildenden eine grosse Herausforderung. Die Umstellung auf den Fernunterricht forderte in vielerlei Hinsicht Flexibilität von den Auszubildenden, sowie höchste Bereitschaft in Eigenverantwortung zu lernen. Diese Umstellung war für viele nicht einfach. Gefühle wie Unsicherheit oder Ungewissheit begleiteten das Ausbildungsgeschehen. Worauf es beim Ausbilden in Krisenzeiten ankommt, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Worauf es beim Ausbilden in einer Krise ankommt

Um eine Überforderung zu verhindern und einem Burnout entgegenzuwirken, ist es entscheidend die Anzeichen frühzeitig zu erkennen. Ein wichtiges Signal, auf das Berufsbildner achten sollten sind u.a. ein veränderter, physischer aber auch psychischer Allgemeinzustand der Auszubildenden, der sich in Zusammenhang mit wiederkehrenden Absenzen abbildet. Meist kommt es dabei zu einem schleichenden Leistungsabfall.

Auszubildende entwickeln dann oft eine Abwehrhaltung, die ein Indiz für die fehlende Motivation und Lernbereitschaft ist, eigene Bildungsziele zu realisieren. Außerdem haben sie oftmals Mühe sich zu konzentrieren, was sich bei der Fehlerhäufung bemerkbar macht. Im Gespräch mit den Auszubildenden schildern diese oftmals Probleme sich nicht auf das Wesentliche konzentrieren zu können. Solche Verhaltensmuster wahrzunehmen, muss in einer akuten Krise von hoher Priorität für die Berufsbildner*innen sein.

 

So steuern Sie den Bildungsprozess

Um solche Veränderungsprozesse richtig einzuordnen, empfiehlt sich der Austausch mit allen Akteuren, die im Bildungsprozess des Auszubildenden beteiligt sind. Das können Lehrpersonen, Ausbildungsberater oder Bildungsverantwortliche sein. Das bietet die Möglichkeit Verhaltensmuster zu vergleichen, sich gegenseitig zu beraten und mögliche Interventionen koordiniert einzuleiten. Das Durchführen regelmässiger Mentoringgespräche durch Bildungsverantwortliche oder Berufsbildende, bietet  eine Möglichkeit mit den Auszubildenden in engeren Austausch zu treten.

Tipp: Zur Klärung der Gesprächsinhalte, sollten die Schlüsselfragen möglichst offen formuliert sein.

Ein Beispiel: «Was beschäftigt dich zurzeit am Meisten?» oder «Wie erlebst du den Alltag?».

Aus Scham haben Auszubildende oftmals grosse Mühe persönliche Angelegenheiten mitzuteilen. Besonders in Krisensituation, teilen Auszubildende mit, unter Druck zu stehen oder Angst zu haben, die Bildungsziele nicht erreichen zu können. Offene Fragen geben der Gesprächsdynamik den nötigen Raum sich zu entfalten. So befähigen Sie den Auszubildenden sein Anliegen mit eigenen Worten zu formulieren.

 

Mentoringgespräche dürfen unterschiedliche Inhalte haben

Mentoringgespräche müssen nicht zwingend rein auf der Fachebene stattfinden. Es darf sich auch um persönliche Anliegen drehen, die die Auszubildenden – besonders zum jetzigen Zeitpunkt – beschäftigen. Oft wird vergessen, dass sich die Auszubildenden in der Adoleszenz Phase befinden. Eine Phase, in der  die Entwicklung der eigenen Identität und Autonomie fundamental ist. Dass sie dabei ab und an Hilfestellung benötigen – insbesondere während einer Krise – ist ganz normal.

Wenn Anzeichen für Überforderung oder ein Burnout vorliegen ist es wichtig, diese Punkte in einem Gespräch mit dem Auszubildenden zu thematisieren. Ein Gespräch gibt  Gelegenheit die Aussagen aufzunehmen und mögliche Anzeichen zu spiegeln. Das bietet die Möglichkeit gesundheitsfördernde Praxisempfehlungen zu besprechen oder – falls notwendig – ärztliche Schritte einzuleiten.

Sorgen Sie beim Mentoringgespräch für ein angenehmes Gesprächsambiente. Das Wohlbefinden der Auszubildenden kann somit zusätzlich gesteigert werden. Ein Spaziergang in den Garten oder eine Cola im Restaurant Ihres Betriebes schaffen eine lockere Atmosphäre und fördern den Beziehungsaufbau.

Tipp: Gehen Sie individuell auf die Bedürfnisse der einzelnen Auszubildenden ein und prüfen Sie, wie Sie sie am besten unterstützen können. Spiegeln Sie Anzeichen im Gespräch.

Ein Beispiel: «Auch mir fällt heute auf, dass du etwas müde wirkst.» oder «Deine Müdigkeit ist mir in letzter Zeit auch aufgefallen. Woran könnte das liegen?»

 

Die Auszubildenden im Zentrum Ihres Lerngeschehens

Sie sollten Ihre Lernenden stets als Teil des Systems betrachten. Sie während einer Krise aufzuklären und zu begleiten, ist bedeutend. 

Um einer Überforderung der Auszubildenden aktiv vorzubeugen  sollten  in regelmässigen Abständen Mentoringgespräche durchgeführt werden. Das gibt den Auszubildenden das Gefühl, nicht alleine zu sein.

Ausbilden ist Beziehungsarbeit und Beziehungsarbeit baut auf Vertrauen auf.

Als Berufsbildende*r oder Bildungsverantwortliche*r, begleiten Sie diesen Prozess und gehen so gemeinsam mit Ihren Auszubildenden den Weg. Wichtig dabei ist es, das Gespräch zu protokollieren und Ziele festzulegen.

Die Ziele sollten von den Auszubildenden selbst formuliert werden. Das gibt Ihnen die Möglichkeit zu bewerten, ob sich Ihr*e Auszubildende*r korrekt einschätzt und wo er seine Prioritäten setzt. So übertragen Sie  systematisch die Verantwortung und befähigen den Auszubildenden Teil des Systems zu sein.

Tipp: Es ist wichtig die Ziele möglichst realistisch festzulegen, damit der Auszubildende nicht zu sehr unter Druck gerät. Auszubildende haben mit der Zielformulierung nur bedingt Erfahrung. Die Steuerung über diesen weiteren Prozess liegt deswegen immer bei den ausbildenden Personen.

 

Autor*in dieses Beitrages: Lucia Preite, Leiterin Bildung in der Stiftung Hofmatt.

Lucia Preite arbeitet als Leiterin Bildung in der Stiftung Hofmatt. Die Stiftung Hofmatt ist ein Kompetenzzentrum in Basel-Land, das in den Bereichen der Pflege, Gastronomie, Hauswirtschaft und KV ausbildet. Nebenberuflich arbeitet Lucia Preite als Lehrperson und unterrichtet überbetriebliche Kurse.

In ihrer täglichen Arbeit ist sie verantwortlich für die Prüfung der Rahmenbedingungen zur Sicherstellung der Bildungsqualität. Sie erstellt Bildungskonzepte und führt diese in die Berufsbildung ein. Im Alltag unterstützt Sie Berufsbildner*innen in Ihrer täglichen Bildungsarbeit mit individuellen Coachings.

15 thoughts on “Herausforderung Ausbilden in Krisenzeiten”

  1. Liebe Luzia
    Herzlichen Dank für den tollen Artikel, welchen ich gerne an meine Berufsbildner*innen weiter leite.
    Ich denke in diesen Zeiten ist es wichtig Dinge persönlich anzugehen. Mich als Person anzubieten und an der Person gegenüber wirkliches Interesse zu haben und zu zeigen.

    Herzlichen Gruss
    Carole

    1. liebe Luzia
      ein sehr engagierter Artikel der gute Tipps bietet die Lernenden zu erreichen in der Krisensituation.
      Gerne leite ich ihn auch an meine BB Teams weiter

      herzliche Grüsse liebe BBV Kollegin
      Barbara

      1. Liebe Barbara

        Vielen Dank für dein Feedback.
        Es freut mich sehr deine Berufsbildner*innen in ihrer täglichen Arbeit damit zu inspirieren.

        Liebe Grüsse
        Lucia

    2. Liebe Carole

      Herzlichen Dank für dein Feedback.
      Es freut mich deine Berufsbildner*innen in ihrer täglichen Arbeit damit zu inspirieren.

      Lieben Gruss
      Lucia

  2. Hallo Luzia
    Danke für diesen wertvollen Artikel, den ich gerne an meine BB’s weiterleite.
    Es tut gut zwischendurch bewust inne zu halten, die aktuelle Situation wahrzunehmen und zu erkennen, dass es in Krisen (ganz generell und besonders jetzt) zielführende und konstruktive Wege gibt gestärkt weiter zu kommen.

    Herzlich alles Gute und
    liebe Grüsse, Madeleine

    1. Liebe Madeleine

      Das Ausbilden zur jetzigen Zeit erlebe ich besonders intensiv. Genau diese Wege zielführend zu gehen schafft neue Perspektiven. Vielen Dank für deine Rückmeldung.

      Liebe Grüsse
      Lucia

  3. Hallo Lucia.
    Danke für deinen Beitrag. Genau diese Ermutigungen zum
    Ausbilden brauchen wir. Ich werde den Link gerade weiterverbreiten.
    Katharina Gisin Lehraufsicht Baselland

    1. Liebe Katharina

      Vielen lieben Dank für deine persönliche Rückmeldung.
      Es ist schön diese Art von “Ermutigungen” zu teilen.

      Liebe Grüsse
      Lucia

  4. Liebe Lucia

    Besten Dank für deine Worte und deinen ausführlichen Beitrag.
    Ich habe gemerkt, dass viele Lernende froh waren/sind um eine Beratung bzw. ein Coaching in der jetzigen Situation. Das waren oftmals ganz banale aber auch komplexe Situationen.
    Wie Carole schon geschrieben hat, “Anbieten und Interesse zeigen”.
    Beste Grüsse und weiterhin viel Engagement und Motivation.
    Johannes

    1. Lieber Johannes

      Das hat mir auch meine tägliche Arbeit mit den Auszubildenden gezeigt. Bedürfnisse der Auszubildenden können sich in individueller Form zeigen. Vielen Dank für deine Rückmeldung.

      Lieben Gruss
      Lucia

  5. Liebe Lucia
    Herzlichen Dank für deinen gehaltvollen Artikel!
    Unterrichten in Krisenzeiten heisst nicht nur das Wissen für die Kompetenzen an die Frau / an den Mann zu bringen und somit die Studierenden und Lernenden zu befähigen, mit diesen schwierigen Zeiten umzugehen, sondern es fordert von uns Lehrpersonen/Dozenten und BAVs und BBs eine Kernkompetenz: die LernPROZESSbegleitung (LPB)!
    Unterricht und Ausbildung wird sich stark verändern, Lernen wird dezentral und orts- und zeitungebunden in Zukunft stattfinden und umso wichtiger ist die LPB.
    Ich freue mich auf den nächsten Artikel von dir, denn ich bin der Meinung, dass die kompetenzorientierte enge Vernetzung von Theorie & Praxis das Bildungsrezept der Zukunft ist – jetzt kommt es auf uns „Bildungstätige“ an, wie wir dieses Rezept würzen, damit es bei unseren Studierenden und Lernenden die Lust auf mehr weckt 👍🏻

    1. Lieber Engelbert

      Herzlichen Dank für deine Rückmeldung zu meinem Blogbeitrag.
      Um die LPB möglichst zielgerecht zu begleiten, ist der Austausch und die Vernetzung der drei Lernorten umso wichtiger.

      Freundliche Grüsse
      Lucia

  6. Liebe Lucia
    Der Artikel spricht mir aus der Seele. Leider hatte ich als Auszubildende zu Pflegefachfrau keine so gute Begleitung. Nun habe ich es als Erste Hilfe Instruktorin, fast in jeden ÜK mit Auszubildenden zu tun, welche dringend Unterstützung benötigen. Schön dass du auf dieses Thema aufmerksam machst.
    Liebe Grüsse. Eva Rial, http://www.evidacare.ch

  7. Liebe Eva

    Vielen Dank für deine Rückmeldung. Besonders zur jetzigen Zeit, ist eine enge Begleitung von grosser Bedeutung. Eine motivierende Gesprächsführung kann Auszubildende zusätzlich in Ihrer täglichen Arbeit und Rolle fördern.

    Freundliche Grüsse
    Lucia

  8. Liebe Carole

    Sich persönlich anzubieten ist einer der grundlegendsten Aufgaben in unsere Funktion.
    Ich danke dir für das Teilen dieser Erkenntnissen im Berufsbildnerblog. Deine Berufsbildner*innen haben sich bereits gemeldet und es kam zu einem spannenden Austausch.

    Liebe Grüsse
    Lucia

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