Cornelia Gut, Nachwuchsförderung für Jugendliche, Lehrberufe, MINT-Berufe

5 Tipps, wie man Jugendliche für technische Berufe begeistert

Es ist Fakt, dass es in den naturwissenschaftlichen und technischen Berufen (MINT-Berufen) seit Jahren bereits an Nachwuchs fehlt. Eine Entwicklung, die es aufzuhalten gilt. Auf welchen Wegen, erklärt Cornelia Gut im Gespräch. Ihrer Meinung nach sind sowohl die Schulen als auch die Wirtschaft gefordert um dieser Entwicklung entgegegn zu wirken.

Frau Gut, das Nachwuchsbarometer zeigt, dass sich die Jugendlichen zu wenig für die Themen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) interessieren. Woran liegt das?

Ich vermute, dafür sind verschiedene Faktoren verantwortlich. Das Themenfeld MINT ist abstrakt und kann nicht mit einer konkreten beruflichen Tätigkeit in Verbindung gebracht werden. «Ich möchte nicht den ganzen Tag am PC sitzen», ist ein oft gehörter Satz. Befragungen zeigen zudem, dass für viele Jugendliche soziale Kontakte, eine sinnstiftende Tätigkeit, Kreativität und Selbstverantwortung wichtig sind. MINT-Berufe werden offensichtlich nicht mit diesen Skills in Verbindung gebracht.

 

Sie setzen sich engagiert für die MINT-Förderung ein. Welche nächsten Schritte sind hierzulande nötig, um bei Kindern und Jugendlichen das Interesse zu wecken?

Da wären von verschiedenen Seiten welche nötig. Wir von Smarfeld vermitteln den Kindern und Jugendlichen ganz konkrete positive Erlebnisse. Auch Grundkenntnisse, die sie anschliessend in selbstgewählten Projekten umsetzen. Dabei sind die 4 K’s wichtig: Kreativität, Kooperation, kritisches Denken und Kommunikation.

 

Könnten Lehrpersonen mehr für dieses Interesse tun? Wenn ja, was?

Lehrpersonen müssen sich im MINT-Themenfeld selbst als Lernende verstehen, die in authentischen Situationen Herausforderungen annehmen, Fehler machen und von und miteinander lernen. Wer nicht selbst von einer Tätigkeit begeistert ist, kann Kinder und Jugendliche nicht motivieren.

 

Mit dem Lehrplan 21 hat die Informatik einen festen Platz im Lehrplan der obligatorischen Schule bekommen. Braucht es weitere Massnahmen?

Die Ziele und Inhalte des LP21 legen eine Grundlage für den Erwerb der IT-Kompetenzen. In unserem Bildungslab werden Kinder und Jugendliche mit authentischen Problemstellungen konfrontiert und bei deren Lösungsversuchen unterstützt. Dabei lernen sie an Anwendungen die Bedeutung von MINT-Skills kennen. So ergänzen sich das Systematische und Kursorische des LP21 und die authentischen Problemstellungen des Bildungslabs von Smartfeld hervorragend.

 

Wie sieht es mit den Eltern aus: Bräuchte es so etwas wie eine «Eltern-MINT-Förderung», damit sie ihre Kinder für diese Bereiche begeistern?

Die Einstellung der Eltern zu den MINT-Themen und -Berufen ist enorm wichtig. Dies kann durch Anregungen und Unterstützung als auch durch gemeinsames Problemlösen erfolgen. Smartfeld bietet deshalb auch Eltern-Kind-Angebote an, die auf grosses Interesse stossen.

 

Warum ist es nach wie vor schwierig, Mädchen für einen MINT-Beruf zu begeistern?

Soziale Kontakte und die Sinnhaftigkeit der Arbeit sind für Mädchen bedeutsam. Deshalb müssen wir diese Erfahrungen mit konkreten Beispielen in den MINT-Bereichen vermitteln können. Es ist für Mädchen sehr inspirierend, wenn sie Vorbilder haben, die in ihnen die Neugierde wecken. Entsprechend versuchen wir im Bildungslab Smartfeld, auch Angebote ausschliesslich für Mädchen anzubieten. Dabei lösen sie Problemstellungen unter sich und wir hoffen, dass sie dadurch weniger Konkurrenzdruck erfahren. Es sind kleine Schritte auf einem langen Weg…

 

Inwieweit kann die Wirtschaft das Interesse der Jugendlichen wecken?

Schule und Wirtschaft sollten Gemeinsamkeiten entdecken und vermehrt projektbezogen kooperieren. Nehmen wir das Beispiel «Schulischer Inhalt Blutkreislauf»: Das Herz übernimmt im Blutkreislauf die Funktion der Pumpe. Ein lokaler Industriebetrieb stellt die medizinaltechnologischen Komponenten dafür her. Die Schülerinnen und Schüler können so vor Ort die Innovationen und deren Anwendung kennenlernen. Die Brücke Schule/Industrie belebt den eher trockenen Schulstoff mit der praktischen Umsetzung. Eine Zusammenarbeit von Schule und Wirtschaft gibt nicht nur Einblick in Innovationen und die Produktion, sondern auch in die Anforderungen der involvierten Berufe. Dadurch wird die Berufswahlvorbereitung verstärkt.

Zur Person

Dr. Cornelia Gut ist Geschäftsführerin von Smartfeld, das zum Ziel hat, die MINT-Berufe gezielt zu fördern. Darüber hinaus schafft es inspirierende Lern- und Experimentierräume, in denen Bildung, Forschung und die Praxis zusammenkommen. Mehr zum Innovationsnetzwerk: www.smartfeld.ch.

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