Lernende betreuen, Berufliche Identität entwickeln

5 Tipps, um die berufliche Identitätsentwicklung Ihrer Lernenden zu fördern

«Sich kreativ zu entfalten und im gewählten Beruf einen persönlichen Sinn zu erkennen, ist entscheidend für eine erfolgreiche Ausbildung und dafür, ob sich Lernende langfristig in der Arbeitswelt engagieren».

Die berufliche Identität Ihrer zukünftigen Lernenden beginnt mit der Entscheidung der Jugendlichen, welchen Ausbildungsberuf sie erlernen möchten bzw. mit der Zusage des Lehrbetriebes. Sie ist elementar für den erfolgreichen Übergang vom Schul- in den Arbeitsalltag und für eine langfristige Zufriedenheit mit dem Beruf.

Doch wie helfen Sie Ihren derzeitigen und zukünftigen Lernenden als Berufsbildner/in, eine stabile berufliche Identität zu entwickeln? Indem Sie junge Lernende betreuen. Die Erfahrung zeigt: je mehr Wertschätzung die Jugendlichen in ihrem Lehrbetrieb erhalten und je eher sie das Gefühl haben, Erfahrungen und Krisen mit den Ausbildungsverantwortlichen reflektieren zu können, desto zufriedener sind sie und desto eher entwickeln sie ein klares, stabiles Bild ihrer eigenen Ziele, Interessen und Fähigkeiten, das entscheidend für die berufliche Identität ist.

Was ist die berufliche Identität?

Der Stellenwert des Berufslebens für die eigene Identität ist grösser, als vielen bewusst. Die berufliche Laufbahn ist heute oftmals die primäre Quelle des Selbstgefühls, denn traditionelle Instanzen verlieren an Bedeutung. Die Bedeutung eines positiven beruflichen Selbstbildes hat einen erheblichen Einfluss. Auch auf den Aufbau sozialer Beziehungen, sowie die Integration im Betrieb. Deswegen ist es besonders wichtig die jungen Lernenden so zu betreuen, dass sie eine stabile berufliche Identität aufbauen können.

 

Vorangegangene Entwicklung und Prägung

Zu Beginn der dualen Ausbildung, haben die Lernenden bereits sehr verschiedene Entwicklungen durchlaufen. Sie bringen unterschiedliche Fähigkeiten und unterschiedliches Wissen mit. Stabile soziale Kompetenzen der Jugendlichen, die in der Familie und in der Schule entwickelt wurden, begünstigen eine gute soziale Integration in den Lehrbetrieb. Wenn Jugendliche in der Peer Group beliebt sind, hat dies einen positiven Effekt auf die Anerkennung im Lehrbetrieb. Die Integration im Lehrbetrieb gelingt dann meist wesentlich schneller, als bei anderen Lernenden.

 

Lernende betreuen: Förderung beruflicher Identität

Während der Berufslehre kann die berufliche Identität der Lernenden gezielt gefördert werden. Dabei spielen die Ausbildungsverantwortlichen, sowie die  Arbeitsbedingungen im Ausbildungsbetrieb eine wesentliche Rolle.

 

Tipp 1: Die optimale Lernumgebung schaffen

Damit die Lernenden ein positives berufliches Selbstbild entwickeln können, braucht es eine Umgebung,  in der sich die Lernenden frei entfalten können. . Das Selbstbild der Jugendlichen entwickelt sich, indem sie sich ihren Beruf in Begleitung und gleichzeitig auf ihre ganz eigene Weise aneignen dürfen. Dabei ist es wichtig, dass Sie den Lernenden erlauben kreativ zu sein.

Sie sollten den Lernenden  ein angemessenes Mass an Verantwortung, Freiheit und Autonomie übertragen. Nur so können sie einen  persönlichen Sinn für die Arbeit erkennen. Den Rahmen dafür setzen Sie als Berufsbildner.

 

Tipp 2: Lernende betreuen durch aktive Reflexion

Alle an der Ausbildung beteiligten Personen spielen eine wichtige Schlüsselrolle in der Identitätsfindung der Jugendlichen. Sie können das Ausbalancieren zwischen den Ansprüchen der Lernenden und den Erwartungen der Arbeitswelt fördern, indem Sie mit den Lernenden die eigene berufliche Identität fortlaufend reflektieren.

Es ist wichtig, dass Sie als Ausbildungsverantwortliche/r diese Reflexionsgespräche fest als Bestandteil der Betreuung einplanen. In den Gesprächen können Sie dann – gemeinsam mit den Lernenden – positive und negative Erfahrungen beleuchtet und die berufliche Entwicklung, sowie die wahrgenommene Belastung besprochen. Entscheidend ist, dass gemeinsam Strategien entwickelt werden, die den Lernenden ermöglichen, mit herausfordernden Situationen besser umzugehen.

 

Tipp 3: Fördern Sie die soziale Interaktion

Da sich berufliche Identität nur in der Auseinandersetzung mit Berufsleuten entwickelt, ist es notwendig, dass die Lernenden eine aktive Rolle in betriebsinternen Arbeitsgruppen übernehmen. Nur so können sie mit den beruflichen Anforderungen vertraut gemacht werden und Verantwortung für Teile eines gemeinsamen Ergebnisses übernehmen.

Diese Übernahme von Verantwortung  wirkt sich positiv auf die berufliche Identität aus. Wichtig dabei ist es, dass sich die Lernenden mit anderen Personen im Lehrbetrieb austauschen können und dabei vielfältige soziale und berufliche Rollen übernehmen dürfen.

 

Tipp 4: Lernende mit Wertschätzung betreuen und eine Fehlerkultur implementieren

Für die berufliche Entwicklung ist es entscheidend, dass die Lernenden durch die Ausbildungsverantwortlichen Anerkennung und Wertschätzung erfahren. Auch, wenn die Lernenden noch Fehler machen. Soziale Anerkennung ist der Schlüssel zur Entwicklung der beruflichen Identität.

Lernende müssen auch selber ausprobieren dürfen. Geben sie Ihnen regelmässig Aufgaben, die herausfordern, aber gemäss des aktuellen Erfahrungsstands gelingen sollten. So erhalten die Lernenden die Chance, ein Erfolgserlebnis zu verbuchen. Es ist wichtig, den Lernenden zurückzumelden, was sie gut gemacht haben und sie dafür zu loben.

Bei einem Fehler ist es wichtig, konkret und sachlich auf diesen hinzuweisen aber die Lernenden nicht persönlich abzuwerten. Die Ausbildungsverantwortlichen sollten transparent und ein gutes Vorbild sein. Wenn Lernende merken, dass auch sie Fehler machen, sich für diese entschuldigen und sie ausbessern können, haben Lernende die Chance, ebenfalls solche Strategien zu lernen.

 

Tipp 5: Biographie und Werteentwicklung

In der Betreuung von Lernenden ist es wichtig, auch deren Biographie zu berücksichtigen. Diese ist so unterschiedlich, wie die Lernenden selbst.  Die Lernenden treten also mit völlig unterschiedlichen Erfahrungen in die Berufswelt ein.

Unterstützen Sie als Ausbildungsverantwortliche/r die Lernenden deswegen in ihrem Suchprozess zu der Frage „Wer bin ich?“ Animieren Sie die Lernenden aktiv sich Gedanken darüber zu machen, weshalb sie gewisse Werte als wichtig erachten und andere nicht. Es ist wichtig, die Lernenden anzuregen, verschiedene Werte und Rollen auszuprobieren.

Weitere Tipps:

  • Lernkontexte schaffen
  • Erfahrungen und Krisen reflektieren
  • Wertschätzung aussprechen
  • Vorbild sein, um aus Fehlern zu lernen
  • Die Biographie der Lernenden berücksichtigen
  • Die Lernenden bei der Werteentwicklung unterstützen

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